Cantina di Montalcino
Der Namen Montalcino scheint sich vom lateinischen "Mons Ilcinus" (Berg der Steineichen) abzuleiten und in der Tat ist noch heute ein großer Teil des Gemeindeterritoriums mit dieser Baumart bewachsen. Die auf der Hügelkuppe trutzende Stadt war in der Vergangenheit die letzte "gesunde" Siedlung unmittelbar vor der malariaverseuchten der Sumpfgebiet Maremma. Nach der Schlacht von Montaperti (Anno 1260) fiel die Stadt unter den Hoheitsbereich von Siena, was sich in architektonischen Machtsymbolen wie der Festung und dem Palazzo Pubblico widerspiegelt, die uns erhalten geblieben sind. Die ersten sicheren Quellen über die Berufung des Territoriums von Montalcino für die Weinproduktion reichen auf das Ende des XV. Jahrhunderts zurück: Eine umfangreiche Dokumentenserie - Briefe, Tagebücher, Bestellungsanträge - zeugen von der großen Nachfrage für die in dieser Gemarkung gewonnenen Weine. Dabei handelte es sich jedoch nicht, wie man aufgrund der heutigen Berühmtheit des Brunello denken könnte, um Rotwein, sondern um den süßen weißen Moscadello. Die Bezeichnung "Brunello", die sich vermutlich von der fast bräunlichen, dunklen Farbe ableitet, die der Wein nach der Vinifizierung und der Ablagerung annahm, findet sich erstmals gegen Mitte des XIX. Jahrhunderts - eine wichtige, von bedeutenden Fortschritten im önologischen Bereich begleitete Phase für den italienischen Weinbau, als man versuchte, sich den Veränderungen des Verbrauchergeschmacks anzupassen, der sich tendentiell dem heutigen anzunähern begann. Wie auch im Großteil der restlichen Toskana, nutzte man für den in der Zone erzeugten Roten einen gemischten Traubensatz aus Sangiovese (vor Ort als "Brunello" bezeichnet), Canaiolo, Colorino, Ciliegiolo, sowie einen kleinen Anteil von weißen Varietäten, wobei die Malvasia nicht fehlen durfte. Das Endprodukt war ein früh trinkreifer, aber nicht lagerfähiger Wein von ausgeprägter Duft-und Aromenfülle. Gegen Ende des XIX. Jahrhunderts trat eine radikale Wende ein, als man auf Assemblagen zugunsten einer sortenreinen Selektion der für Montalcino typischen Sangiove-Rebe verzichtete: Der Wein gewinnt an Struktur und verwandelt sich in einen langlebigen, strenglinigen wuchtigen Roten von grandiosem Körper und Nerv. Doch noch viele Jahre werden vergehen, bevor sich der Ruhm des Brunello auf internationalem Niveau verbreitet. Zuerst der I. Weltkrieg, die Phylloxera-Bedrohung, dann ein zweiter Weltkrieg, hemmen die Entwicklung der Produktion und bis zu den fünfziger Jahren beschränkt sich die Vermarktung auf wenige tausend Flaschen. Das Phänomen des "Kultweins" Brunello tritt in der Folge des Booms der sechziger Jahre und der ersten bedeutenden Investitionen im Weinberg in die Szene. Die DOC-Appellation und die Gründung des Schutzkonsortiums tragen das ihrige dazu bei und 1980 schließlich wird der Brunello, als erster italienischer Rotwein, in die Würden der DOCG, der kontrollierten und garantierten Ursprungsbezeichnung erhoben.
Eine besondere Charakteristik des Produktionsterritoriums von Montalcino stellt seine Gliederung in vier diverse Hanglagen mit verschiedenartigen Mikroklimen, die einen wesentlichen Einfluß auf die Typizität der jeweiligen Weine ausüben. Das hügelige Territorium in mittleren Höhenlagen verzeichnet mit der Poggio Civitella genannten Anhöhe die höchste Quote mit 661 Metern. Die Bodenzusammensetzung ist ausgesprochen unterschiedlich und präsentiert eine ausgezeichnete Vielfalt an Mineralsalzen: je nach Höhenlage wiegen Galestro oder Alberese vor, mit variabel feinkörnigen Sandsteinschichten, und kalkigen und mergeligen Konglomeraten in den höchstgelegenen Weinbergen, während man unterhalb der 300 m-Schwelle vor allem Lehmerden vorfindet.
Hier kultiviert man wird die vor Ort als Brunello bezeichnete Sangiovese Grosso-Traube, eine Rebsorte, die in diesem Terroir wunderbar gedeiht, wozu das optimale, warm-temperierte Klima nicht wenig beiträgt: die Sommerhitze wird von ausgedehnten Waldungen im Umfeld abgeschwächt, und der Monte Amiata bildet einen natürlicher Wall, dank dessen sich akzeptable Temperaturen bewahren und übermässige Niederschläge abklingen, die man vor allem im Herbst registriert. Darüberhinaus läßt die perfekte Durchlüftung keine Feuchtigkeitsstauung zu, wodurch die Trauben vor Fäulnisbefall geschützt werden. All diese Faktoren gewähren der Sangiovese selten ausgewogene Wachstumsbedingungen und die optimale Konzentration der Duft- und Aromenstoffe.
In diesem für die Rebenkultur von der Natur besonders begünstigten Ambiente arbeitet die "Cantina di Montalcino", die einzige in der Zone aktive Kooperative, die 1975 gegründet und von den Cantine Leonardo 1990 übernommen wurde. Die 90 Winzermitglieder gewinnen ihre an die Genossenschaft zugelieferten Trauben aus insgesamt 108 Hektar eigenen Weinbergen, wobei sie während des gesamten Rebzyklusses auf die Unterstützung von erfahrenenen Önotechnikern und Agronomen zählen können, um die angestrebte Höchstqualität der Trauben zu erreichen, die zur Weiterverarbeitung perfekt gesund und ausgereift und im Vollbesitz aller für hochwertige Weine erwünschten Substanzen im Keller eintreffen müssen.
Hier wird das Konzept einer flexibel dem Zeitgeist angepassten kooperativen Struktur nachvollzogen, wie man sie von zahlreichen Betrieben der "Neuen Welt" her kennt, die auf den internationalen Märkten emergieren. Mit dem technischen Rückhalt der Betriebsexperten sollen die Winzermitglieder zu einer wachsend akkuraten Traubenproduktion angeregt werden, wobei das dem höchsten Qualitätsstandard genügende Lesegut auch entsprechend mehr bezahlt wird.
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